Die Urbiene Mitteleuropas.
Apis mellifera mellifera war über Jahrtausende die einzige Honigbiene nördlich der Alpen. Heute ist sie ein bedrohtes Wildtier – und ein Stück Kulturerbe, das wir mit unseren Völkern erhalten.
Ein Blick zurück
Eine Biene, die hierher gehört.
Während der letzten Eiszeit gab es nördlich der Alpen keine Honigbienen. Erst als sich das Klima vor etwa 8.000 Jahren erwärmte und die Wälder nach Norden wanderten, folgte ihnen die Dunkle Biene. Sie besiedelte den gesamten Raum von den Pyrenäen bis zum Ural und war dort über Jahrtausende die einzige heimische Honigbiene.
In dieser langen Zeit hat sie sich genau an unser Klima angepasst: hohe Kälteresistenz, kräftiger Flug auch bei Wind, und die Fähigkeit, ihren Brutzyklus schnell auf die vorhandene Tracht einzustellen. Regional entstanden eigene Stämme – die Heidebiene in Norddeutschland, die Waldbiene von Polen bis zum Ural, die Alpenbiene in der Schweiz.
Mit ihr begann die Imkerei in Deutschland: zuerst als Waldbienenzucht, das Zeidelwesen, später in Klotzbeuten und Strohkörben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das die Normalität.
Die wilden Völker verschwinden. Ständige Entnahme von Honig und Bienen rottet die frei lebende Dunkle Biene in Deutschland aus.
Carnica, Ligustica und andere Unterarten werden eingeführt. Die heimische Population hybridisiert massiv.
Prof. Dr. Zander nimmt die organisierte Zucht der Dunklen Biene auf. Sie wird bis etwa 1960 fortgeführt.
Der Ertrag entscheidet. Für ein paar Kilo Honig mehr wechselt die Imkerei zur Carnica – die Dunkle Biene wird in Deutschland vollständig ausgelöscht.
Aus Restbeständen anderer Länder wächst die Zucht wieder. Mit heutigen Betriebsweisen bringt auch die Dunkle Biene konkurrenzfähige Erträge.
Wo sie lebte, wo sie lebt
Zwei Karten, zweihundert Jahre Unterschied. Links das Gebiet, das die Dunkle Biene aus eigener Kraft besiedelt hatte. Rechts die Bienen, die heute in Europas Imkereien den Ton angeben.
Ein Blick nach vorn
Warum wir sie halten.
An den Rändern Europas haben reine Bestände überlebt – in Irland, Skandinavien, Frankreich, der Schweiz, Polen, im Baltikum und in Russland. Von dort kamen die Königinnen, mit denen die Zucht in Deutschland wieder aufgebaut wurde. Genau in dieser Linie stehen unsere Völker.
Ob die Eigenschaften, die die Dunkle Biene über Jahrtausende erworben hat, ihr bei den heutigen ökologischen Herausforderungen helfen, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist: genetische Vielfalt hat Arten schon immer beim Überleben geholfen. Deshalb halten wir eine Biene, die hier hergehört – und nicht die, die am meisten Honig verspricht.
Quellen: Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V., Die Dunkle Europäische Honigbiene; mellifera.ch; Jensen u. a. 2005, Molecular Ecology; De la Rúa u. a. 2009, Apidologie; Hassett u. a. 2018, Journal of Apicultural Research. Kartengeometrie: Natural Earth.